Das Ruhrgebiet im Wandel

Ich habe in 2017 wieder mal einen Bildungsurlaub gemacht. Titel "Das Ruhrgebiet im Wandel". Der Veranstalter war die Volkshochschule Essen.
Im Zuge dieser Woche haben wir viele interessante Orte im Ruhrgebiet besucht. In meinem Denken ist das Ruhrgebiet immer schmudelig gewesen, aber nach dieser Woche habe ich mich von dieser Vorstellung verabschiedet. Typisches Klischee Denken!

Wissen wir überhaupt was ein Klischee ist? Klische ist eine festgefahrene übekommene Vorstellung, ein Vorurteil, ein Stereotyp eindeutig negativ. Ich glaube über so ein Klischee, diese Schubladendenken ärgert man sich schon und deshalb war diese Woche Bildungsurlaub gut, dadurch wurde auch mein Denken verändert. Das Ruhrgebiet ist umweltbewußt und kreativ, würde ich jetzt sagen.

Wie viele von uns war ich schon in Essen auf der Zeche Zollverein, die ja wohl zu den größte und auch schönste Bergbau - Zeche der Welt gehörte (Die Kokerei hat im Jahr 1993 den Betrieb eingestellt, aber bereits im Jahr 1986 fuhren die letzen Kumpels auf die Zeche ein). Die Teile der Zeche gehören seit 2001 dem UNESCO Weltkulturerbe an. Im Jahr 2010 war die Zeche dann das Erkennungszeichen zur Kulturhauptstadt Europas: RUHR2010. Der Wandel hat begonnen. Heute befinden sich auf dem Gelände der Zeche mehrer Museen und im Winter kann man dort auch Schlittschuh laufen, aber auch Kulturelle Veranstaltungen finden dort Ihren Platz.

Glückauf - der Steiger kommt - Bildungsurlaub im Ruhrgebiet, Sisbe´s Freizeittipp

Glückauf - der Steiger kommt

Die Kokerei - Bildungsurlaub im Ruhrgebiet, Sisbe´s Freizeittipp

Die Kokerei

Rheinpreussen - Schacht IV

In Mörs haben wir die Zeche Rheinpreussen Schacht IV besucht. Dort wir heute vom Grafschafter Museums- und Geschichtsverein anschaulich die Kohleförderung erklärt und gezeigt. Anhand eines kurzen Filmes wird vermittelt wird die Förderanlage funktionierte und auch das Leben der Kumpels wird gezeigt.

1851 hat Franz Heinel damit begonnen, die ersten Probebohrungen für den einst so ertragsreiche und mächtige Rheinpreussen-Berbau durchzuführen. Bis in Jahr 1991 wurden rund 93,5 km² schwarzes Grubengold gefördert. Wegen der ökonomischen und gleichzeitit ästhetisch ansprechenden Bauweise galten die Tagesanlagen seinerzeit als vorbildlich.

Heute kann man, geführt von ehemaligen Zechenmitarbeiter einen Streifzug durch die Bergbaugeschichte unternehmen.

Glückauf das Motto des Bergbaus - Bildungsurlaub im Ruhrgebiet, Sisbe´s Freizeittipp

Glückauf - das Motto des Bergbaus

Kommunikationsmittel unter Tage - Bildungsurlaub im Ruhrgebiet, Sisbe´s Freizeittipp

Das Kommunikationsmittel unter Tage

Förderturm Bergbau - Bildungsurlaub im Ruhrgebiet, Sisbe´s Freizeittipp

Der Führer des Förderturmes war eine der wichtigsten Personen im Bergbau

Über die Rolle lief das Drahtseil des Förderturmes - Bildungsurlaub im Ruhrgebiet, Sisbe´s Freizeittipp

Über diese Rolle lief das Drahtseil des Förderturmes

Der Lehrstollen in Kamp - Lintfort

Die nächste Station war der Lehrstollen von Kamp-Lintfort. Hier geht man mit erfahrenen Bergleuten unter Tage. Der Lehrstollen, Anfang der 1970er Jahre von Lehrlingen der zeche Friedrich Heinrich erbaut, um praxisgerecht auszubilden, bildet noch heute den Untertage-Betrieb der Zeche Friedrich Heinrich ab. Auf einer Grundfläche von etwa 50 Metern x 50 Metern wurde eine Streckenlänge von nahezu 230 Metern geschaffen, deren tiefste Stelle 3 Meter unter Geländeniveau liegt. Hier kann man Hobel, Förderer und Schildausbau aus nächster Nähe betrachten. Ebenso wie Einschienen-Hängebahn, Gruben-Schienenfahrrad, grubenwehr und anderes wollen entdeckt werden. Der Lehrstollen gilt als das einzige Bauwerk seiner Art im linken Niederrhein.

Im Frühjahr 2011 hat sich der Betriebsrat vom Bergwerk West Gedanken gemacht, wie man nach Stilllegung der Zeche die Bergbautradition in Kamp-Lintfort erhalten kann. Im Januar 2013 war es dann soweit, die Aufräum- und Reinigungsarbeiten im Lehrstollen konnten offiziell beginnen. Mittlerweile arbeitet dort eine Gruppe von mehr als 10 ehrenamtlichen Helfern, die zudem schon viele Besucher durch das Objekt geführt haben.

Kamp Lintfort im Lehrstollen

Gruben Lok - Bildungsurlaub im Ruhrgebiet, Sisbe´s Freizeittipp

Gruben - Lok

Der Landschaftspark Duisburg - Nord

Weiter ging es zum Landschaftspark Duisburg - Nord.

In Meiderich lässt August Thyssen ab 1901 die Aktiengesellschaft für Hüttenbetrieb ein Hochofenwerk bauen, das in unmittelbarer Nähe seiner bereits früher erworbenen Kohlefelder liegt. Damit schuf er die Voraussetzung für den notwendigen Verbund von Kohle und Eisen. Bis zur Stilllegung des Werkes im Jahr 1985 als Überkapazitäten auf dem europäischen Stahlmarkt abgebaut werden mussten, produzierte das Werk Roheisen - in der Regel als Vorprodukt für die Weiterverarbeitung in den Thyssen'schen Stahlwerken.

Mit dem letzten Abstich an Hochofen 5 endete am 4. April 1985 die Produktion des im massiven Stil der Hochindustrialisierung erbauten Thyssen-Hochofenwerks in Duisburg-Meiderich.  Nach der Stilllegung blieb eine Industriebrache von über 200 Hektar zurück. Mit großem Engagement interessierter Bürgerinnen und Bürger konnte der drohende Abriss der Anlage gestoppt werden und zwischen den Stadtteilen Meiderich und Hamborn entstand ein Park neuen Typs, der wildgewachsene Vegetation und die Industriebauten des Hüttenwerks miteinander verbindet (weder Park noch Landschaft im ursprünglichen Sinn darstellt). Die Idee einer neuartigen, industriell geprägten Natur- und Kulturlandschaft wurde 1989 geboren. 

Heute kämpft man dort mit anderen Problemen. so schön der Park mit seinen Bauten auch ist, sind die stählernen Gerüste und Anlagen heute der Umwelt - sprich Wind und Wetter ausgesetzt und beginnen zu verrosten (Signatur der Vergeblichkeit und Vergänglichkeit). Aber wie geht man damit um?

"Seit Jahrtausenden nagt der Rost an den Kriegs-, Kultur- und Arbeitswerkzeugen des Menschen, er gilt als der große Zerstörer und als hinterhältiger Entwerter. Die Angst vor ihm ist sprichwörtlich. Wer rastet, der rostet. Wer rostet, ist tot zu Lebzeiten." - Torsten Körner

Der Landschaftspart Nord – Duisburg

Rostiger Zug - Bildungsurlaub im Ruhrgebiet, Sisbe´s Freizeittipp

Die Zeichen der Zeit - Rost

Industriebrache - Bildungsurlaub im Ruhrgebiet, Sisbe´s Freizeittipp

Alte Industriebrache

Zeitzeuge der Geschichte - Bildungsurlaub im Ruhrgebiet, Sisbe´s Freizeittipp

Wie kann man die Zeitzeugen der Geschichte retten?

Stahlwerk, Industriekomplex - Bildungsurlaub im Ruhrgebiet, Sisbe´s Freizeittipp

Die Stahlwerke, Industriekomplexe oder Autowerke liegen wie Skelette in der Landschaft herum, der Rost ist die Signatur der Vergeblichkeit und Vergänglichkeit.

Industrielle Kulturlandschaft - Die Halde

Im Zuge des Bildungsurlaubes haben wir auch eine Halde besucht. Leider war es an diesem Tag sehr windig und deshalb auch sehr ungemütlich dort.

Die Halden des Ruhrgebietes: Ganz grün meistens, nirgends in NRW wachesn so viele unterschiedliche Pflanzen, wie auf der Industriebrache. Rund 170 Halden sind im Laufe der Jahrzehnte als Folge des Bergbaus entstanden. Mit jeder Tonne Steinkohle fielen auch große Mengen an Geröll an. Das "taube Gestein" schütteten die Bergleute zu gigantischen Haufen an. Die Halde enthielt bis zu 20% Restkohle und kann sich in der Sonne auf mehr als 60 °C Oberflächentemperatur erhitzen.

Das lockere Gestein hält kaum Regenwasser. Deshalb wachsen zuerst nur anspruchslose Pflanzen. Über 15 bis 20 Jahre später schlagen dann Weiden und Birken auf der Halde ihre Wurzeln. Daraus können ganze Wälder entstehen, wenn der Mensch nicht eingreift. Viele der Halden werden heute von der Bevölkerung genutzt, zum Spazieren gehen und für Freizeitaktivitäten.

 

Der Rheinpark bei Duisburg und die IGA 2027

Uns wurden in der einen Woche auch Projekte vorgestellt, um das Ruhrgebiet noch attraktiver zu machen, den Menschen die auch heute noch von der Schließung der Zechen betroffen sind eine Perspektive zu geben. Dazu gehört auch die Internationale Gartenausstellung 2027, die im Ruhrgebiet stattfinden soll. Zum einen soll diese Ausstellung die Region als modern und besonders lebenswert präsentieren. Gemeinsam mit den Städten und Kreisen des RVR werden hierfür Konzepte erarbeitet und umgesetzt. So gehört beispielsweise der Ruhrschnell - Fahrradweg zu diesem Projekt. Dieser soll im Zuge der IGA zwischen den Ruhrgebietsstätten vervollständigt werden.

Getragen werden soll die Internationale Gartenausstellung von den 53 Kommunen und vier Kreisen der Metropole Ruhr, von Verbänden wie Emschergenossenschaft und Lippeverband, der regionalen Wirtschaft und bürgerschaftlichem Engagement gemeinsam mit dem Land NRW.

In Deutschland findet die IGA in der Regel alle zehn Jahre statt. 2017 fand die Internationale Gartenausstellung in Berlin statt. Die nächste IGA wird 2027 in der Bundesrepublik stattfinden - wie gesagt im Ruhrgebiet. Nach der Kulturhauptstadt 2010 ein tolles Ereigniss, das dem Ruhrgebiet auf seinem Wandel weiter hilft.

Kategorie: Freizeittipps.